Interview mit CEO Henrik Oevermann zur aktuellen Situation (08.04.2020)

Aktuell lastet ein großer Druck auf der weltweiten Pharmaindustrie. Wie beurteilen Sie die Situation im Markt und welche Konsequenzen hat die aktuelle Krise für die DIOSNA Dierks & Söhne GmbH?

Henrik Oevermann: Die größte Verantwortung liegt derzeit bei den Forschungslaboren und Fachleuten, hier wird mit Hochdruck an der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten gearbeitet. Unsere Aufgabe als DIOSNA beginnt bei der Unterstützung der Produktion. Wie jedes produzierende Unternehmen in Deutschland bemerken auch wir die Unsicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter in der heute sehr dynamischen Situation. Glücklicherweise setzen wir schon seit 135 Jahren auf „Made in Germany“, sodass wir das Tagesgeschäft in der Maschinenproduktion fast uneingeschränkt fortführen können. Mit unseren Mischer-Granulatoren, Fluid-Bed Systemen und kompletten Prozessanlagen sind wir jederzeit in der Lage, auf spezielle Kundenanforderungen einzugehen. Wie schnell uns das kurz- und mittelfristig gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Wir beobachten auch verschiedene Ansätze für neue Indikationslösungen, wie z.B. das sogenannte „Repurposing“. Dieses Verfahren prüft den Einsatz von Medikamenten, die bereits für andere Anwendungen erprobt sind. Sobald solch ein Wirkstoff freigegeben ist und in die Produktion geht, können unsere Maschinen aufgrund ihrer Leistungsstärke und Zuverlässigkeit dazu beitragen, die Situation zu entspannen.

Welche Maßnahmen ergreift die DIOSNA innerbetrieblich und kundenspezifisch?

Henrik Oevermann: Unser Ziel ist es selbstverständlich alles zum Schutz unserer Mitarbeiter und Kunden zu unternehmen. Unsere Produktionsstätten sind so weitläufig, dass die Arbeitsbereiche voneinander getrennt sind. Auf das Thema Hygiene wird seit jeher großen Wert gelegt, trotzdem wurden alle Mitarbeiter zusätzlich geschult. Unsere Angestellten arbeiten wenn möglich im Homeoffice. Interne Meetings sowie Gespräche mit unseren Kunden und Geschäftspartnern finden, wenn möglich, online statt.

Wie steht es um die Lieferfähigkeit, ist die Produktion gefährdet?

Henrik Oevermann: Unsere Kunden können sich hier hundertprozentig auf uns verlassen, denn unsere hauseigenen Werkstätten sind bestens organisiert. Bereits bestätigte Bestellungen werden selbstverständlich auch bearbeitet und ausgeliefert. Sollte es hier zu krankheits- oder auch lieferantenbedingten Verzögerungen kommen, informieren wir unsere Kunden rechtzeitig. Hierfür wurden zuverlässige Prozesse entwickelt, um den Informationsstand aktuell zu halten. Sofern diese Produktionsketten funktionieren, können wir auch zukünftig termingerecht ausliefern. Einschränkungen ergeben sich natürlich durch die Einschränkung der Reisefreiheit. Dies betrifft vor allem unsere Experten, welche bei den Kunden arbeiten. D.h. Verkäufer, technische Monteure, Technologen, Programmierer, Validierungs - und Qualifizierungspersonal und Inbetriebnehmer. Die DIOSNA Gruppe verfügt jedoch über ein großes Netzwerk an kompetenten Vertriebs- und Servicemitarbeitern und zuverlässigen Partnern, welches erlaubt, vor Ort auf das jeweilige Fachpersonal zuzugreifen und einen gut strukturierten Kundendienst anzubieten.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die Messestornierungen zu kompensieren, gibt es Möglichkeiten für interessierte Kunden, sich trotzdem ein Bild über die Leistungsstärke des Unternehmens zu machen?

Henrik Oevermann: Als Marktführer sind wir immer bestrebt, unseren Kunden etwas Besonderes zu bieten. So testen wir aktuell, wie wir Social Media und Tools wie 3D-Scans einsetzen können, um mit unseren Kunden zu interagieren. Wir nutzen die Digitalisierung als Chance, um neue Wege zu entwickeln. Sie dürfen gespannt sein, was wir uns noch alles einfallen lassen.

Welche Auswirkungen erwarten Sie langfristig für die Branche?

Henrik Oevermann: Viele unserer Pharmakunden verspüren bereits seit Monaten einen starken Druck seitens der Investoren, ihre Lieferkette nachhaltiger, sprich näher am „point of sale“ aufzubauen. Nun nimmt auch noch der Druck ihrer Kunden und der Regierungen in diese Richtung zu. Auf Dauer werden daher wieder mehr Präparate in Europa und den USA hergestellt, dadurch wird eine Unabhängigkeit bei der Medikamentenverfügbarkeit gewahrt. Zudem bin ich der Überzeugung, dass sich gerade die Endkunden auch dem wichtigen Thema „Qualität“ mehr widmen werden. Durch die Krise nimmt die Bildung der Bevölkerung hinsichtlich der Herstellung von Medikamenten stark zu. Informierte Kunden legen Wert auf die Hochwertigkeit der Medikamente und eine zuverlässige Verfügbarkeit. Hochwertige Prozessanlagen berücksichtigen bedeutende Aspekte wie Homogenität und präzise Partikelverteilung und erfüllen damit einen der hohen Ansprüche der Pharmabranche deutlich besser.

Was raten Sie Ihren Kunden grundsätzlich in dieser ungewissen Situation?

Henrik Oevermann: Die häufig belächelte Eifrigkeit der Deutschen bei der Organisation und Regelung hilft uns in Situationen wie dieser sehr. Jetzt können Sie sich darauf verlassen. Mittlerweile geht es weniger um die Frage, ob wir uns mit dem Virus infizieren, sondern mehr darum, wie schnell es gelingt, wirksame Arzneimittel zu finden, die den Verlauf verzögern oder abmildern. Ich rate also dazu, Ruhe zu bewahren und aktiv dazu beizutragen, die Anzahl der Infektionen so langsam wie möglich ansteigen zu lassen, um das jeweilige Gesundheitssystem funktionsfähig zu halten.